Werkstatt

Bosch Fehlercode 770: enviolo-Trittfrequenzsensor

Dein Bosch-Display zeigt Fehler 770 und die stufenlose Nabe hält Deine Trittfrequenz nicht mehr? Der Code steht in keiner Bosch-Fehlerliste, weil er von der Schaltung kommt. Bei Rädern mit enviolo-Nabe meldet er den Trittfrequenz-Sensor, und der hängt an einem Magnetring, den Du selbst sehen und zählen kannst. Hier erfährst Du, wo der Ring sitzt, wie Du mit dem LED-Test am Hub Interface in zwei Minuten prüfst, ob sein Signal ankommt, und warum der 770 auch die Kalibrierung blockieren kann.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bedeutung: Der 770 meldet laut enviolo den Eingangs-Drehzahlsensor der AUTOMATiQ-Nabe, also die Erfassung Deiner Trittfrequenz.
  • Betroffenes Bauteil: Der Magnetring mit 12 Magneten, der über dem Sprengring des Ritzels sitzt.
  • Gute Nachricht: Manuelles Schalten bleibt möglich, das nennt enviolo für diesen Code ausdrücklich.
  • Soforthilfe: System aus- und wieder einschalten, dann Sitz des Rings prüfen und die 12 Magnete zählen.
  • Schnellprüfung: Beim LED-Test am Hub Interface steht grün für die Trittfrequenz. Bleibt grün aus, ist der Eingangs-Ring die Ursache.

Anderer Code im Display? Alle Bosch-Fehlercodes mit Bedeutung und Abhilfe findest Du in unserer Bosch-Fehlercode-Liste.

Was bedeutet der Bosch Fehlercode 770?

Die Bosch-Originalbetriebsanleitung führt für den gesamten Bereich nur eine Zeile: „7xx: Fehler bei Drittkomponenten“, mit dem Hinweis, die Angaben in der Betriebsanleitung des jeweiligen Komponentenherstellers zu beachten. Bei Rädern mit stufenloser enviolo-Nabe ist dieser Hersteller enviolo. Im enviolo Help Center ist die Zuordnung eindeutig geregelt: Codes mit einer 5 am Anfang sind Bosch-Fehler, Codes mit einer 7 am Anfang enviolo-Fehler.

Zum 770 nennt enviolo als Fehlerart den Eingangs-Drehzahlsensor (input speed sensor). Die Auswirkung beschreibt enviolo als eingeschränkte Funktion der Kadenzsteuerung mit dem wichtigen Zusatz, dass manuelles Schalten weiterhin möglich ist. Als Abhilfe stehen dort drei Punkte: System aus- und wieder einschalten, den korrekten Sitz des Eingangs-Magnetrings prüfen und sicherstellen, dass alle 12 Magnete vorhanden sind. Bleibt das Problem, verweist enviolo auf den eigenen Support.

Der Magnetring am Ritzel: 12 Magnete für Deine Trittfrequenz

Die AUTOMATiQ verstellt ihre Übersetzung stufenlos, damit Du unabhängig von Steigung und Tempo in derselben Trittfrequenz bleibst. Dafür braucht sie zwei Drehzahlen: die Deiner Kurbel und die des Laufrads. Beide liest das Hub Interface an der Nabe über Magnetringe ein.

Der Ring für die Trittfrequenz ist laut enviolo der kleinere der beiden und sitzt über dem Sprengring des hinteren Ritzels. Er trägt 12 Magnete, liefert also zwölf Impulse pro Ritzelumdrehung und damit ein feines Signal. Der zweite Ring läuft mit 6 Magneten um die Nabenhülse auf der Antriebsseite und liefert die Radgeschwindigkeit, sein Ausfall wird als Fehler 771 gemeldet. Weil beide Ringe direkt am Nabenkörper sitzen, geraten sie bei Arbeiten am Hinterrad leicht aus ihrer Position.

Mögliche Ursachen für Fehler 770

  • Fehlender Magnet im Ring: Löst sich einer der 12 Magnete, wird die Impulsfolge unregelmäßig. Für diesen Fall nennt enviolo den Ersatz des Rings über den Support.
  • Verschobener oder verdrehter Ring: Der Abstand zum Sensor ist entscheidend. Sitzt der Ring schief, reißt das Signal je Umdrehung ab.
  • Arbeit am Antrieb: Ritzelwechsel, Kettenwechsel und Laufradausbau berühren genau die Stelle, an der der Eingangs-Ring sitzt. Nach solchen Arbeiten tritt der Code am häufigsten auf.
  • Metallspäne und Schmutz: Ein Magnetring sammelt Eisenstaub aus Kettenverschleiß und Bremsabrieb. Eine dicke Schicht verfälscht das Feld.
  • Kabelschaden am Hub Interface: Das Interface sitzt exponiert an der Nabe, seine Leitung läuft am Ausfallende vorbei und kann dort scheuern oder gequetscht werden.
  • Defektes Hub Interface: Fällt der Sensor in der Elektronik aus, meldet das Interface den Fehler, obwohl der Ring einwandfrei ist. Das trennt die Diagnose ab.

Fehler 770 beheben: Schritt für Schritt

  1. System neu starten: Rad ausschalten, kurz warten, wieder einschalten. enviolo setzt diesen Schritt bei allen Sensorfehlern an den Anfang.
  2. Eingangs-Ring finden: Er ist der kleinere Ring und sitzt über dem Sprengring des hinteren Ritzels, also direkt dort, wo die Kette aufläuft.
  3. Zwölf Magnete zählen: Kurbel langsam drehen und die Magnete im Ring durchzählen. Fehlt einer, hast Du die Ursache gefunden.
  4. Ring reinigen und Sitz prüfen: Metallspäne mit einem weichen Tuch abnehmen, den Ring auf gleichmäßigen Abstand und festen Sitz kontrollieren.
  5. LED-Test durchführen: Der Test im nächsten Abschnitt zeigt in zwei Minuten, ob das Interface das Trittfrequenz-Signal überhaupt sieht.
  6. Kabel verfolgen: Leitung vom Hub Interface Richtung Rahmen auf Scheuerstellen und Quetschungen ansehen, besonders am Ausfallende.
  7. Kalibrierung und Software prüfen: Über die enviolo-App lassen sich Hardware-Version und Kalibrierung kontrollieren. Bleibt der Code danach, ist der enviolo-Support der nächste Schritt.

Der LED-Test am Hub Interface

Dieser Test steht in den technischen Unterlagen zur AUTOMATiQ-Diagnose und ist die schnellste Möglichkeit, den Verdacht zu erhärten. Du brauchst nichts außer einem frei drehbaren Hinterrad. Wichtig ist, dass Kurbel und Nabe langsam laufen, die Unterlagen nennen als Bedingung eine Geschwindigkeit unter 5 km/h.

Infografik: LED-Test am Hub Interface der enviolo-Nabe in drei Schritten. Erst Rad einschalten und Hinterrad aufbocken, dann die Kurbel langsam vorwärts drehen, damit Ritzel und Nabenhülse unter 5 km/h laufen, dann die LED am Hub Interface ablesen. Grün steht für die erkannte Trittfrequenz vom Ring am Ritzel, rot für die erkannte Nabendrehzahl vom Ring an der Hülse, ein grün-rotes Muster für beide erkannten Magnetringe.
Grün quittiert das Trittfrequenz-Signal, rot die Nabendrehzahl. Fehlt beim langsamen Treten das Grün, zeigt der Test direkt auf den Eingangs-Ring.

Zeigt das Interface beim langsamen Treten ein grün-rotes Muster, werden beide Magnetringe erkannt, und die Ursache des 770 liegt woanders, etwa in der Elektronik oder in der Konfiguration. Bleibt das Grün aus, während Rot sauber kommt, ist der Eingangs-Ring am Ritzel bestätigt. Die Diagnose-Unterlagen weisen darauf hin, dass das genaue LED-Verhalten je nach Hardware- und Firmware-Stand abweichen kann, das grün-rote Muster bei bewegter Kurbel und bewegter Nabe soll aber jede Bauart zeigen.

Warum der 770 auch die Kalibrierung blockiert

Die AUTOMATiQ muss wissen, wo ihr Verstellbereich anfängt und endet. Genau das leistet die Kalibrierung des Hub Interface: Sie legt den unteren und oberen Anschlag des Übersetzungsbereichs fest. Bei neueren Interface-Generationen läuft das automatisch im Hintergrund, bei älteren wird es über die enviolo-App im Einstellungsmenü angestoßen. Während des Vorgangs schaltet die Nabe durch ihren Bereich, und der Erfolg wird in der App bestätigt.

Der entscheidende Punkt: Kalibrieren funktioniert nur, wenn getreten wird, und das Treten erkennt das Interface über genau den Ring, der beim 770 ausfällt. Deshalb steht die Magnetring-Prüfung in den Diagnose-Unterlagen mitten im Ablauf für den Fall, dass das Interface nicht kalibriert. Zwei Codes hängen direkt daran: Der 760 meldet eine abgebrochene Kalibrierung, weil nicht getreten wurde, der 761 eine durchgelaufene Kalibrierung, bei der der volle Übersetzungsbereich fehlte. Wer neben dem 770 einen dieser Codes gesehen hat, sollte zuerst den Sensor in Ordnung bringen und danach neu kalibrieren.

Was trotz Fehler 770 funktioniert

Der 770 ist einer der gutmütigeren Codes der Baureihe, und enviolo sagt das selbst: Die Kadenzsteuerung arbeitet eingeschränkt, manuelles Schalten bleibt möglich. Du kannst die Übersetzung also weiter über die Bedieneinheit verstellen und bist nur die Automatik los. Der Bosch-Antrieb ist von dem Code nicht betroffen, die Motorunterstützung läuft normal weiter.

Deutlich unangenehmer sind die Codes 780 und 781. enviolo führt sie für den Motor im Interface und für den CVP-Encoder und beschreibt, dass dann weder Kadenzsteuerung noch manuelles Schalten arbeiten und die Nabe in einem undefinierten Gang verriegelt bleibt. Die vollständige Übersicht aller enviolo-Codes steht im Ratgeber zum Fehler 771.

Kann ich mit dem Fehler 770 weiterfahren?

Ja. Weil manuelles Schalten erhalten bleibt und der Antrieb unberührt ist, kannst Du Deine Tour normal beenden und auch die kommenden Tage fahren. Du übernimmst dabei die Aufgabe, die die Nabe sonst automatisch erledigt, und schaltest an Steigungen und beim Anfahren selbst. Ein Schaden entsteht durch das Weiterfahren nicht, weil nur ein Messwert fehlt. Zwei Gründe sprechen trotzdem für eine zügige Klärung: Ein loser Magnet kann sich vollständig lösen und im Antrieb landen, und ohne funktionierenden Eingangssensor lässt sich die Nabe nicht neu kalibrieren.

Fazit

Der Bosch Fehler 770 klingt nach Elektronikproblem und ist meistens ein Magnetring, der verrutscht ist oder einen Magneten verloren hat. Der Weg dorthin ist kurz: System neu starten, den kleineren Ring über dem Sprengring des Ritzels ansehen, zwölf Magnete zählen, Metallspäne abwischen. Bringt das nichts, liefert der LED-Test am Hub Interface in zwei Minuten Klarheit, weil Grün genau für das Trittfrequenz-Signal steht. Bleibt der Code, führt der Weg über die enviolo-Diagnose, die zwischen Ring, Kabel und Interface unterscheiden kann. Solange kannst Du beruhigt weiterfahren, denn manuelles Schalten bleibt Dir erhalten. Wie die stufenlose Nabe im Alltag arbeitet, liest Du in unserer Übersicht zur enviolo-Nabenschaltung.

Das könnte Dich auch interessieren:

Häufige Fragen

Bosch führt alle 7xx-Codes als „Fehler bei Drittkomponenten“. Bei Rädern mit stufenloser enviolo-Nabe steht der 770 laut enviolo Help Center für den Eingangs-Drehzahlsensor, also die Erfassung Deiner Trittfrequenz. Betroffen ist der Magnetring mit 12 Magneten über dem Sprengring des Ritzels. Die Kadenzsteuerung arbeitet dann eingeschränkt, manuelles Schalten bleibt möglich.

enviolo nennt drei Schritte: System aus- und wieder einschalten, den korrekten Sitz des Eingangs-Magnetrings prüfen und sicherstellen, dass alle 12 Magnete vorhanden sind. Nimm dabei Metallspäne und Bremsstaub mit einem weichen Tuch ab, weil ein Magnetring Eisenstaub anzieht. Bleibt der Code, hilft der LED-Test am Hub Interface bei der Eingrenzung.

Rad einschalten, Hinterrad frei drehbar aufbocken und die Kurbel langsam vorwärts drehen, damit Ritzel und Nabe unter 5 km/h laufen. Das Hub Interface quittiert erkannte Signale farbig: Grün steht für die Trittfrequenz vom Ring am Ritzel, Rot für die Nabendrehzahl vom Ring an der Hülse. Ein grün-rotes Muster bedeutet, dass beide Ringe gelesen werden. Bleibt Grün aus, ist der Eingangs-Ring bestätigt.

Beide melden einen Drehzahlsensor der enviolo-Nabe, aber auf verschiedenen Seiten der Übersetzung. Der 770 betrifft den Eingang mit 12 Magneten am Ritzel, also Deine Trittfrequenz. Der 771 betrifft den Ausgang mit 6 Magneten an der Nabenhülse, also die Radgeschwindigkeit. Für den 770 nennt enviolo ausdrücklich, dass manuelles Schalten weiterhin möglich bleibt.

Ja. Der Bosch-Antrieb ist von diesem Code nicht betroffen, die Motorunterstützung läuft normal weiter, und über die Bedieneinheit kannst Du die Übersetzung weiter selbst verstellen. Verloren geht die Automatik, Du schaltest also an Steigungen und beim Anfahren von Hand. Kläre die Ursache trotzdem zügig, denn ein loser Magnet kann sich komplett lösen.

Weil die Kalibrierung des Hub Interface nur läuft, wenn getreten wird, und das Treten erkennt das Interface über genau den Sensor, der beim 770 ausfällt. Deshalb steht die Magnetring-Prüfung in den Diagnose-Unterlagen mitten im Ablauf für ein Interface, das nicht kalibriert. Bring den Sensor zuerst in Ordnung und kalibriere danach neu.

Beide hängen an der Kalibrierung. Der 760 meldet eine abgebrochene Kalibrierung, weil während des Vorgangs nicht getreten wurde. Der 761 meldet eine durchgelaufene Kalibrierung, bei der das Interface festgestellt hat, dass nicht der gesamte Übersetzungsbereich verfügbar ist. Bei neueren Interface-Generationen läuft die Kalibrierung automatisch im Hintergrund, bei älteren wird sie über die enviolo-App angestoßen.

In der Regel nicht. Der häufige Fall ist ein verschobener, verschmutzter oder unvollständiger Magnetring, und für einen fehlenden Magneten nennt enviolo den Ersatz des Rings über den Support. Erst wenn Ring, Sitz und Kabel einwandfrei sind, kommt das Hub Interface als Ursache in Betracht. Auch dieses Bauteil lässt sich einzeln ersetzen.

Affiliate-Links sind mit einem Sternchen (*) gekennzeichnet. Kaufst Du über einen solchen Link, erhalten wir ggf. eine Provision – für Dich ändert sich der Preis dadurch nicht.