Motoren

Fazua Ride 60: Technische Daten, Akku und Einordnung

Zwischen leichten Assistenzsystemen und vollwertigen Mittelmotoren klaffte lange eine Lücke. Der Fazua Ride 60 füllt sie seit 2022 mit einer Kombination, die es vorher so nicht gab: 60 Nm Drehmoment bei knapp 2 kg Antriebsgewicht. Dieser Beitrag ordnet den Antrieb datenbasiert ein, erklärt seinen wichtigsten technischen Kniff und zeigt, wo die Grenzen des Konzepts liegen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eckdaten: Mittelmotor mit 60 Nm Drehmoment, 250 W Nenndauerleistung und 450 W im Boost; Antriebsgewicht 1,96 kg.
  • Besonderheit: oberhalb von 25 km/h koppelt sich der Antrieb mechanisch vollständig aus, es entsteht kein zusätzlicher Tretwiderstand.
  • Akku: ENERGY 430 mit 432 Wh (2,3 kg) oder ENERGY 480 mit 480 Wh (2,4 kg), Ladezeit 3,5 bis 4 Stunden.
  • Bedienung: Ring Control am Lenker und LED Hub im Oberrohr; ein eigenes Display gibt es nicht, Zahlen liefert die FAZUA App.
  • Einordnung: der kräftigste unter den leichten Antrieben, Systemgewicht bis rund 4,3 kg; Räder damit wiegen meist 16 bis 19 kg.

Technische Daten des Fazua Ride 60

  • Bauart: Mittelmotor am Tretlager, ausgelegt als leichter Antrieb
  • Maximales Drehmoment: 60 Nm
  • Nenndauerleistung: 250 Watt
  • Spitzenleistung: 450 Watt im Boost
  • Antriebsgewicht: 1,96 kg für Motor mit Getriebe
  • Systemgewicht: bis rund 4,3 kg inklusive Akku
  • Akkus: ENERGY 430 mit 432 Wh oder ENERGY 480 mit 480 Wh, jeweils 43,2 Volt
  • Optimale Trittfrequenz: 55 bis 125 Umdrehungen pro Minute
  • Unterstützungsmodi: Breeze, River und Rocket, dazu die Boost-Funktion

Die Lücke, die der Ride 60 füllt

Auf der einen Seite standen Antriebe wie der MAHLE X35 mit 40 Nm und rund 3,5 kg Systemgewicht, gedacht als dezente Unterstützung. Auf der anderen Seite der Shimano EP8 oder die Bosch Performance Line CX mit 85 Nm und 6 bis 8 kg Systemgewicht.

Der Ride 60 setzt sich mit 60 Nm bei rund 4,3 kg genau dazwischen. Für Dich bedeutet das ein Rad, das mit 16 bis 19 kg noch handlich bleibt und trotzdem genug Schub für längere Anstiege hat. Diese Auslegung passt besonders zu Gravelbikes und leichten E-Mountainbikes, bei denen das Fahrgefühl eines unmotorisierten Rades erhalten bleiben soll.

Vom Evation zum Ride 60: was Fazua aufgegeben hat

Fazua war lange für eine ungewöhnliche Idee bekannt. Beim Vorgängersystem Evation ließen sich Motor und Akku als eine Einheit aus dem Unterrohr ziehen. Wer ohne Unterstützung fahren wollte, nahm den Antrieb heraus, setzte einen Deckel ein und hatte ein normales Fahrrad mit rund 3 kg weniger Gewicht.

Beim Ride 60 ist damit Schluss. Kurbel, Getriebe und Motor bilden eine fest verbaute Einheit, herausnehmen lässt sich nichts mehr. Was nach Rückschritt klingt, hat einen handfesten technischen Grund: Die Steckverbindung des Evation war zugleich seine empfindlichste Stelle, mechanisch wie elektrisch. Mit dem festen Einbau entfällt diese Schnittstelle komplett.

Im Gegenzug legte Fazua bei den Kernwerten deutlich zu. Der Akku wuchs um fast 200 Wh, das Drehmoment stieg auf 60 Nm, und das Systemgewicht blieb trotzdem bei gut 4 kg. Für Dich heißt das: mehr Reichweite und mehr Kraft, dafür ohne die Möglichkeit, das Rad in ein unmotorisiertes zu verwandeln.

Entkopplung: der eigentliche Kniff

Die technisch interessanteste Eigenschaft zeigt sich oberhalb von 25 km/h. Dort schaltet sich der Antrieb nicht nur ab, er koppelt sich mechanisch vollständig aus. Fazua formuliert das so, dass oberhalb der gesetzlichen Unterstützungsgrenze kein zusätzlicher Tretwiderstand entsteht.

Schema: Verhalten oberhalb 25 km/h. Links viele Mittelmotoren mit mitdrehendem Getriebe und spürbarem Schleppmoment, rechts der Fazua Ride 60 mit vollständiger mechanischer Entkopplung ohne Widerstand
Oberhalb der Abregelung trennt sich der Ride 60 vom Tretlager, das Rad rollt wie ein Fahrrad ohne Motor.

Der Unterschied ist im Alltag deutlich spürbar. Viele Mittelmotoren erzeugen jenseits der Abregelung ein Schleppmoment, weil das Getriebe weiter mitgedreht wird. Auf einer flotten Gruppenfahrt oder bergab trittst Du dann gegen den eigenen Motor an. Beim Ride 60 entfällt das.

Wer regelmäßig schneller als 25 km/h unterwegs ist, gewinnt dadurch mehr, als die Drehmomentzahl vermuten lässt. Auf einer Tour mit vielen flachen Abschnitten macht sich dieser Punkt stärker bemerkbar als 20 Nm mehr Kraft am Berg.

Drei Modi mit Farben statt Zahlen

Fazua benennt die Unterstützungsstufen Breeze, River und Rocket und ordnet ihnen Farben zu. Dazu kommt der Boost, der kurzzeitig die vollen 450 Watt freigibt und sich per Tastendruck aktivieren lässt, etwa an einer steilen Rampe oder beim Anfahren am Berg.

ModusLED-FarbeEinsatz
BreezeGrünsparsam, für flache Abschnitte und maximale Reichweite
RiverBlaumittlere Unterstützung für den größten Teil der Tour
RocketPinkvolle Unterstützung an Anstiegen
Boostzusätzlichkurzzeitig 450 W auf Tastendruck
Angezeigt werden Modus und Akkustand über den LED Hub im Oberrohr.

Bedient wird über den Ring Control am Lenker. Ein eigenes Display gibt es nicht. Geschwindigkeit, Reichweite und Verbrauch siehst Du entweder über die FAZUA App am Smartphone oder über einen gekoppelten Radcomputer. Für ein aufgeräumtes Cockpit ist das die eleganteste Lösung, wer Zahlen im Blick behalten will, braucht eine Halterung fürs Telefon.

Akku: 432 oder 480 Wh, fest oder abnehmbar

Fazua bietet zwei Akkus an. Der ENERGY 430 liefert 432 Wh bei 2,3 kg, der ENERGY 480 kommt auf 480 Wh bei 2,4 kg. Beide arbeiten mit 43,2 V und laden in etwa 3,5 bis 4 Stunden.

Praktisch relevant ist die Bauform: Je nach Rad ist der Akku fest verbaut oder lässt sich entnehmen. Die abnehmbare Variante ist der wichtigere Punkt, wenn Du in einer Wohnung ohne Steckdose am Stellplatz wohnst. Zur Reichweite nennt Fazua rund 1.200 Höhenmeter bei ausgewogener Fahrweise oder mindestens 60 km.

Rechne bei sportlicher Nutzung im Gelände mit 12 bis 20 Wh pro Kilometer, aus 432 Wh werden damit 22 bis 36 km. Auf Asphalt in mittlerer Stufe sind 45 bis 70 km realistisch. Deine eigenen Werte rechnet der Reichweiten-Rechner durch, zur Pflege hilft der Ratgeber zum Lagern des E-Bike-Akkus.

Wo der Ride 60 an Grenzen kommt

60 Nm sind für einen leichten Antrieb viel und gegenüber einem Vollantrieb weniger. An einer langen Rampe mit 15 Prozent und Gepäck merkst Du den Unterschied zu 85 Nm deutlich, dort schiebt ein EP8 oder ein Bosch CX spürbar kräftiger. Der Boost hilft über kurze Passagen hinweg, ersetzt aber keine dauerhafte Mehrleistung.

Auch der Akku setzt eine Grenze. Mit 432 bis 480 Wh planst Du Tagestouren mit vielen Höhenmetern bewusster als mit einem 750-Wh-System. Fazua bietet dafür einen Range Extender an, der zusätzliche Kapazität in den Flaschenhalter bringt.

Die Entscheidung läuft damit auf eine Grundsatzfrage hinaus: leichtes Rad mit maßvoller Unterstützung oder schweres Rad mit voller Kraft. Für Gravel, flowige Trails und sportliche Fahrer geht die Rechnung des Ride 60 auf. Für Lastentransport und Steilrampen im Mittelgebirge führt der Weg zum Vollantrieb.

Kann ich den Ride 60 nachrüsten?

Nein. Fazua liefert den Antrieb an Radhersteller, im Handel ist er einzeln nicht erhältlich. Er braucht außerdem einen Rahmen, der für genau dieses System konstruiert ist, weil Motor und Akku fest ins Unterrohr integriert werden.

Wer einen Ride 60 möchte, kauft also ein komplettes Rad. Erhältlich sind einzelne Komponenten wie Kettenblätter und der Range Extender, dazu Ersatzakkus über den Fachhandel.

Fazit: der kräftigste unter den leichten Antrieben

Der Ride 60 trifft eine Auslegung, die vielen sportlichen Fahrern entgegenkommt. 60 Nm bei rund 4,3 kg Systemgewicht ergeben Räder zwischen 16 und 19 kg, die sich agil fahren und trotzdem am Berg helfen. Die vollständige Entkopplung oberhalb von 25 km/h ist der Punkt, der ihn von den meisten Mittelmotoren abhebt und im Alltag am deutlichsten auffällt.

Wer Zahlen am Lenker braucht, wird mit der reinen LED-Anzeige nicht glücklich, dort führt kein Weg am Smartphone vorbei. Und wer regelmäßig schwer bepackt lange Steilrampen fährt, ist mit einem Vollantrieb und großem Akku besser bedient. Für Gravelbikes, leichte E-MTBs und alle, die ein Fahrrad mit Unterstützung statt ein Elektrorad wollen, ist der Ride 60 eine der stimmigsten Lösungen am Markt.

Häufige Fragen

Er liefert 60 Nm Drehmoment und 250 W Nenndauerleistung, im Boost kurzzeitig bis 450 W. Damit ist er der kräftigste unter den verbreiteten leichten Antrieben, bleibt aber unter den 85 Nm eines Bosch CX oder Shimano EP8.

Die Antriebseinheit wiegt 1,96 kg. Mit Akku kommt das System auf rund 4,3 kg, je nach gewählter Akkuvariante. Ein Vollantrieb mit großem Akku liegt bei 6 bis 8 kg.

Oberhalb der gesetzlichen Unterstützungsgrenze trennt sich der Motor mechanisch vom Antrieb. Dadurch entsteht kein zusätzlicher Tretwiderstand, das Rad rollt wie ein Fahrrad ohne Motor. Viele andere Mittelmotoren erzeugen dort ein spürbares Schleppmoment.

Den ENERGY 430 mit 432 Wh (2,3 kg) und den ENERGY 480 mit 480 Wh (2,4 kg). Beide arbeiten mit 43,2 V und laden in etwa 3,5 bis 4 Stunden. Je nach Rad ist der Akku fest verbaut oder abnehmbar.

Über den Ring Control am Lenker. Die drei Stufen heißen Breeze, River und Rocket und werden über farbige LEDs im LED Hub am Oberrohr angezeigt. Der Boost gibt kurzzeitig 450 W frei.

Nein. Fazua setzt auf den LED Hub im Oberrohr, der Modus und Akkustand farblich anzeigt. Geschwindigkeit, Reichweite und Verbrauch siehst Du über die FAZUA App am Smartphone oder über einen gekoppelten Radcomputer.

Fazua nennt rund 1.200 Höhenmeter bei ausgewogener Fahrweise oder mindestens 60 km. Im Gelände mit 12 bis 20 Wh pro Kilometer werden aus 432 Wh etwa 22 bis 36 km, auf Asphalt in mittlerer Stufe 45 bis 70 km.

Nein. Beim Vorgänger Evation ließ sich die Antriebseinheit aus dem Unterrohr ziehen, beim Ride 60 bilden Kurbel, Getriebe und Motor eine fest verbaute Einheit. Damit entfällt die empfindliche Steckverbindung des alten Systems.

Nein. Der Antrieb wird an Radhersteller geliefert und braucht einen dafür konstruierten Rahmen. Einzeln ist er im Handel nicht erhältlich.

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