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Shimano-Warnung W011: Das System erkennt die Geschwindigkeit nicht

W011 taucht meistens ohne Vorwarnung auf: Der Tacho steht auf null, die Unterstützung wirkt schlapper als sonst, und im Display hängt ein Warnsymbol. Anders als bei einem E-Fehler fährt das Rad weiter. Shimano meldet mit diesem Code, dass das System die Fahrgeschwindigkeit nicht mehr feststellen kann, und dahinter stecken fast immer zwei Bauteile am Hinterrad, die einen halben Zentimeter zu weit auseinanderstehen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bedeutung: Laut Shimano-Gebrauchsanweisung kann „die Fahrgeschwindigkeit nicht festgestellt werden“. W011 ist eine Warnung, kein Fehler, das Rad fährt weiter.
  • Folge: Die Höchstgeschwindigkeit, bis zu der unterstützt wird, ist „möglicherweise geringer als normal“. Im Alltag heißt das: Die Unterstützung endet früher oder setzt ruckartig aus.
  • Zwei Ursachen nennt Shimano selbst: Der Geschwindigkeitssensor wurde falsch montiert, oder der Magnet ist verloren gegangen.
  • Der Sollabstand zwischen Sensor und Magneteinheit liegt laut Shimano-Händlerbetriebsanleitung bei 3 bis 17 mm, die Magnetmitte gehört auf die Δ-Markierung des Sensors.
  • Häufige Werkstatt-Falle: Nach einem Bremsscheibenwechsel sitzt eine Scheibe ohne Magnet oder ein Verschlussring ohne Magnet am Rad. Dann fehlt dem Sensor sein Gegenstück.

Warnung statt Fehler: was der Buchstabe W bedeutet

Shimano führt zwei getrennte Listen. Die Fehler beginnen mit E und legen den Antrieb in aller Regel still, sie erscheinen als Meldung über den gesamten Bildschirm. Die Warnungen beginnen mit W, laufen als Symbol nebenher und verschwinden laut Hersteller wieder, „wenn der Fehler behoben ist“. W011 gehört zur zweiten Gruppe.

In der Warnungsliste steht als Anzeigebedingung „Die Fahrgeschwindigkeit kann nicht festgestellt werden“, als Betriebseinschränkung „Die Höchstgeschwindigkeit, bis zu der die Tretunterstützung bereitgestellt wird, ist möglicherweise geringer als normal“. Als Abhilfemaßnahme verweist Shimano auf den Fachhändler und nennt dabei ausdrücklich zwei mögliche Probleme: „Der Geschwindigkeitssensor wurde falsch montiert“ und „Der der Bremsscheibe beigefügte Magnet ging verloren“.

Genau diese beiden Hinweise sind der Ausgangspunkt für jede Fehlersuche. Es geht um zwei Bauteile und deren Lage zueinander, nicht um Elektronik im Motorgehäuse.

Warum die Unterstützung schwächer wird

Der Zusammenhang wirkt auf den ersten Blick unlogisch. Ein Tacho, der nicht zählt, sollte doch nichts mit der Motorkraft zu tun haben. Bei einem Pedelec hängt aber beides zusammen, weil die gesetzliche Abregelung bei 25 km/h über genau dieses Signal läuft. Der Antrieb muss jederzeit wissen, wie schnell das Rad fährt, sonst kann er die Grenze nicht einhalten.

Fällt das Signal aus oder kommt es unregelmäßig, fährt das System auf Nummer sicher und begrenzt die Unterstützung. Deshalb beschreiben Betroffene das Verhalten oft so: Der Motor zieht kurz an und lässt dann los, oder die Unterstützung endet gefühlt schon bei Schrittgeschwindigkeit. Ein sporadisch aussetzender Sensor erzeugt dabei ein unruhigeres Fahrgefühl als ein komplett fehlender Magnet.

Zwei weitere Anzeichen passen ins Bild und helfen beim Einordnen: Der Kilometerzähler steht still, und die Reichweitenschätzung im Display wird unbrauchbar, weil sie ohne Streckenwerte nichts hochrechnen kann.

Links eine Übersicht des Hinterrads mit markierter Sensorposition an der linken Kettenstrebe, rechts die Detailansicht von oben mit Geschwindigkeitssensor, Dreiecks-Markierung, Magnet an der Bremsscheibe und dem Maßpfeil für den zulässigen Abstand von 3 bis 17 Millimetern, darunter drei Schemata der Magnet-Bauformen an der Speiche, in der Bremsscheibe und im Center-Lock-Verschlussring
Sensor und Magnet müssen sich in einem Fenster von 3 bis 17 mm passieren. Wo der Magnet sitzt, hängt von der Bauform ab, und die entscheidet auch darüber, was ein Laufradwechsel anrichtet.

Drei Bauformen: wo Dein Magnet sitzt

Shimano hat das Magnet-Konzept über die Jahre zweimal geändert. Für die Fehlersuche ist das entscheidend, weil ein Ratschlag zum Speichenmagneten an einem Rad mit Bremsscheiben-Magnet nichts bringt. Sieh deshalb zuerst nach, welche Kombination an Deinem Rad verbaut ist.

BauformTypische BauteileWas sie im Alltag bedeutet
SpeichenmagnetSensor SM-DUE10, Magnet an einer Speiche verschraubtKann sich lösen oder verrutschen; nach einem Speichenbruch oder einer Laufradzentrierung häufig verstellt
Magnet in der BremsscheibeSensor SM-DUE11 oder EW-SS301, Scheiben wie RT-EM300 oder RT-EM910Verlust praktisch ausgeschlossen; die Falle ist der Wechsel auf eine Scheibe ohne Magnet
Magnet im Center-Lock-VerschlussringSensor EW-SS302, Verschlussring mit integriertem MagnetScheibe frei wählbar, aber der originale Verschlussring muss zurück ans Rad
Je neuer das System, desto weiter wandert der Magnet von der Speiche in Richtung Bremsscheibe.

Der Sensor selbst sitzt bei allen drei Varianten an derselben Stelle: außen an der linken Kettenstrebe, in Höhe der Bremsscheibe, mit einem Kabel entlang der Strebe zur Antriebseinheit. Shimano liefert ihn mit unterschiedlichen Kabellängen aus, unter anderem 340, 540, 760 und 1400 mm, damit er zu verschiedenen Rahmengrößen und Kabelführungen passt.

Die häufigsten Auslöser

Die Frage, die Dich am schnellsten zur Ursache führt, lautet: Was ist zuletzt am Hinterrad passiert? In der Mehrzahl der Fälle liegt zwischen dem letzten Eingriff und dem ersten W011 nur eine Fahrt.

VorgeschichteWahrscheinliche Ursache
Bremsscheibe oder Laufrad gewechseltScheibe ohne Magnet oder falscher Verschlussring montiert
Reifenpanne, Laufrad war ausgebautSensor beim Einbau verschoben oder Kabel verzogen
Sturz oder Anlehnen auf der AntriebsseiteSensorhalter verbogen, Abstand außerhalb des Fensters
Warnung kommt und geht beim FahrenAbstand am oberen Rand des zulässigen Bereichs, Seitenschlag im Laufrad
Warnung dauerhaft, Sensor sichtbar unbeschädigtKabelbruch an der Kettenstrebe oder Magnet fehlt komplett
Rad kommt frisch aus dem TransportSensor durch Gurte oder Halterung verschoben
Die letzte Arbeit am Hinterrad ist der beste Hinweis auf die Ursache.

Selbst prüfen: Abstand, Ausrichtung, Kabel

Shimano verweist bei W011 auf den Fachhändler, weil eine falsche Sensormontage die Abregelung betrifft. Zwei Dinge kannst Du trotzdem gefahrlos kontrollieren, bevor Du einen Termin machst, und sie klären den Fall oft schon.

  1. Ist der Magnet überhaupt da? Dreh das Hinterrad langsam und sieh Dir die Bremsscheibe, den Verschlussring und die Speichen in Sensorhöhe an. Bei der Speichen-Variante suchst Du ein kleines schwarzes Kästchen an einer Speiche, bei der Scheiben-Variante einen aufgesetzten Punkt am Innenrand der Bremsscheibe. Fehlt er, ist der Fall geklärt.
  2. Läuft der Magnet am Sensor vorbei? Der Magnet muss den Sensor passieren, nicht daneben laufen. Shimano gibt für die Montage vor, die Mitte der Magneteinheit auf den Punkt der Δ-Markierung am Sensor auszurichten. Weicht die Spur sichtbar ab, sitzt eines der beiden Teile falsch.
  3. Stimmt der Abstand? Zwischen Sensor und Magneteinheit sollen laut Händlerbetriebsanleitung 3 bis 17 mm liegen. Das Fenster ist großzügig, ein verbogener Halter oder ein anderes Laufrad bringt es aber schnell aus dem Bereich. Ein Zollstock reicht für die grobe Kontrolle.
  4. Kabel abfahren. Das Sensorkabel läuft an der Kettenstrebe entlang und liegt damit im Spritzbereich des Hinterrads. Prüfe es auf Scheuerstellen, gequetschte Abschnitte hinter Kabelbindern und einen festen Sitz am Stecker.
  5. Gegenprobe fahren. Rad einschalten und ein Stück rollen. Zählt der Tacho jetzt, war es der Abstand oder ein loses Kabel. Bleibt er auf null, geht es weiter zum Händler.

Was Du dabei bewusst lassen solltest: einen fremden Magneten an eine Speiche schrauben, um das Signal zu erzwingen. Die Magnetstärke und die Position gehören zum abgestimmten System, und ein falsches Signal kann die Abregelung verschieben. Damit wäre das Rad kein regelkonformes Pedelec mehr, mit allen Folgen, die auch das Thema E-Bike-Tuning mit sich bringt.

W011 gegen die Nachbarcodes

Für dasselbe Bauteil vergibt Shimano zwei verschiedene Codes, und der Unterschied liegt in der Schwere. Diese Übersicht stammt aus der Warnungs- und der Fehlerliste der Gebrauchsanweisung.

CodeAnzeigebedingung laut ShimanoAuswirkung
W011Die Fahrgeschwindigkeit kann nicht festgestellt werdenWarnung, Höchstgeschwindigkeit der Unterstützung möglicherweise geringer
E014Der Geschwindigkeitssensor wurde eventuell falsch montiertFehler, keine Tretunterstützung während der Fahrt
W010Temperatur der Antriebseinheit höher als beim normalen BetriebWarnung, Unterstützung möglicherweise geringer
W013Drehmomentsensor möglicherweise nicht vollständig initialisiertWarnung, Abhilfe: Fuß vom Pedal, System aus und wieder an
W032Möglicherweise elektronisches statt mechanisches Schaltwerk eingebautWarnung, Schiebehilfe eingeschränkt
W011 und E014 zeigen auf dasselbe Bauteil. Der E-Code bedeutet, dass Shimano das Signal als sicher falsch bewertet und die Unterstützung ganz abschaltet.

Wenn statt einer Warnung ein E-Code mit ganzseitiger Meldung erscheint und die Unterstützung komplett ausfällt, liegt oft ein anderes Problem zugrunde. Bei einem Kommunikationsproblem zwischen Akku und Motor ist das etwa der Shimano-Fehlercode E020. Bleibt das Display ganz dunkel, hilft die Reihenfolge im Ratgeber E-Bike geht nicht an weiter.

Was der Händler macht

In der Werkstatt hängt das Rad an E-Tube Project, das den Sensor als Einheit ausliest und meldet, ob überhaupt Impulse ankommen. Danach folgt die mechanische Arbeit: Sensor lösen, ausrichten, Abstand einstellen, festziehen. Kommen keine Impulse an, wird der Sensor getauscht, was ein günstiges Teil betrifft, plus Arbeitszeit für die Kabelverlegung entlang der Kettenstrebe.

Ein Punkt lohnt sich beim Termin ausdrücklich anzusprechen: Wenn zuletzt eine Bremsscheibe gewechselt wurde, sollte die Werkstatt prüfen, ob die verbaute Scheibe oder der Verschlussring überhaupt zum Sensortyp passt. Das ist die eine Ursache, die sich mit dem richtigen Ersatzteil in Minuten beheben lässt und ohne diese Frage manchmal unentdeckt bleibt. Auch beim jährlichen Service gehört der Sensor auf die Liste, wie es der Ratgeber zur E-Bike-Inspektion beschreibt.

Fazit: zwei Bauteile, ein Fenster von 14 Millimetern

W011 ist eine der harmloseren Meldungen im Shimano-System, weil sie auf Mechanik zeigt statt auf Elektronik. Prüfe zuerst, ob der Magnet noch da ist, dann seine Spur am Sensor vorbei und zuletzt den Abstand im Bereich von 3 bis 17 mm. Wenn Du kurz zuvor an Laufrad oder Bremsscheibe gearbeitet hast, fängst Du genau dort an. Bleibt die Warnung nach diesen Kontrollen stehen, richtet der Händler den Sensor aus, und in vielen Fällen ist der Fall mit einem passenden Verschlussring erledigt.

Häufige Fragen

Ja, das Rad bleibt fahrbereit. W011 ist eine Warnung, kein Fehler, und Shimano beschreibt die Einschränkung so: Die Höchstgeschwindigkeit, bis zu der die Tretunterstützung bereitgestellt wird, ist möglicherweise geringer als normal. Praktisch heißt das eine schwächere oder unruhig aussetzende Unterstützung. Für den Weg nach Hause reicht es, die Ursache gehört danach behoben.

Die Shimano-Händlerbetriebsanleitung gibt 3 bis 17 mm zwischen Geschwindigkeitssensor und Magneteinheit vor. Zusätzlich muss die Mitte der Magneteinheit auf die Δ-Markierung am Sensor ausgerichtet sein. Das Fenster ist großzügig, ein verbogener Sensorhalter oder ein anderes Laufrad bringt den Abstand aber schnell darüber hinaus.

Weil dort meistens am Hinterrad gearbeitet wurde. Der häufigste Auslöser ist eine neue Bremsscheibe ohne integrierten Magnet oder ein Center-Lock-Verschlussring ohne Magnet. Bei den Systemen mit Sensor SM-DUE11, EW-SS301 oder EW-SS302 sitzt der Magnet nämlich genau dort, und mit dem Wechsel verschwindet er vom Rad. Sprich die Werkstatt gezielt darauf an.

Er sitzt außen an der linken Kettenstrebe, ungefähr auf Höhe der Bremsscheibe, und ist über ein Kabel entlang der Strebe mit der Antriebseinheit verbunden. Shimano liefert ihn mit verschiedenen Kabellängen aus, unter anderem 340, 540, 760 und 1400 mm, damit er zu unterschiedlichen Rahmengrößen passt.

Beide betreffen den Geschwindigkeitssensor, unterscheiden sich aber in der Schwere. W011 ist eine Warnung und bedeutet laut Shimano, dass die Fahrgeschwindigkeit nicht festgestellt werden kann, die Unterstützung läuft eingeschränkt weiter. E014 ist ein Fehler mit der Anzeigebedingung, dass der Geschwindigkeitssensor eventuell falsch montiert wurde, und dabei wird gar keine Tretunterstützung mehr bereitgestellt.

Davon ist abzuraten. Magnetstärke und Position sind Teil des abgestimmten Systems, das die Abregelung bei 25 km/h steuert. Ein zusätzlicher oder falsch platzierter Magnet verfälscht die gemessene Geschwindigkeit, und damit wäre das Rad kein regelkonformes Pedelec mehr. Die rechtlichen Folgen entsprechen denen von Tuning-Eingriffen, von der erloschenen Betriebserlaubnis bis zum Versicherungsschutz.

Der Tachowert stammt aus demselben Sensorsignal wie die Unterstützungsregelung. Fehlt das Signal, hat das Display keine Datengrundlage und zeigt null an. Aus demselben Grund zählt der Tageskilometerstand nicht weiter, und die Reichweitenschätzung wird unbrauchbar, weil sie ohne Streckenwerte nichts hochrechnen kann.

Ja, sobald die Ursache behoben ist. Shimano schreibt zu den Warnungen ausdrücklich, dass die Anzeige erlischt, wenn der Fehler behoben ist. Ein Neustart des Systems ist dafür nicht nötig, es genügt, dass der Sensor wieder Impulse vom Magneten bekommt. Kommt die Warnung nur zeitweise, liegt der Abstand vermutlich am oberen Rand des zulässigen Bereichs.

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