Das Wichtigste in Kürze
- Wer: URWAHN Bikes (Urwahn Engineering GmbH) aus Magdeburg, gegründet 2017 von Sebastian Meinecke und Ramon Thomas, heute ein Team von rund 20 Leuten.
- Markenzeichen: Der SOFTRIDE-Stahlrahmen mit 3D-gedruckten Knotenpunkten und ohne durchgehendes Sattelrohr, der das Hinterrad elastisch federn lässt.
- Modelle: Stadtfuchs (Urban), Waldwiesel (Gravel) und Straßenfalke (Road), jeweils als E-Bike mit MAHLE X20 oder als Bio-Bike ohne Motor; Einstieg ab ca. 3.500 €.
- Besonderheit: 70 bis 75 % regionale Wertschöpfung, Refurbishment-Service und Auszeichnungen vom Red Dot Award bis zum Deutschen Nachhaltigkeitspreis.
- Neu 2026: Der SOFTRIDE Ti64, der erste 3D-gedruckte Titanrahmen der Marke, in der ersten Charge auf 50 Stück limitiert.
Ein Fahrradrahmen aus dem 3D-Drucker, gefertigt in Magdeburg statt in Fernost: Mit dieser Idee hat sich URWAHN Bikes in wenigen Jahren vom Start-up zur bekanntesten deutschen Design-Fahrradmarke entwickelt. Dieser Ratgeber ordnet die Marke ein: Wer dahintersteckt, wie der außergewöhnliche Rahmen entsteht, welche Modelle und Editionen es gibt, was Fachtests sagen und für wen sich der Premium-Preis lohnt.
Wer steckt hinter URWAHN Bikes?
Hinter der Marke steht die Urwahn Engineering GmbH aus Magdeburg, 2017 gegründet von Sebastian Meinecke (Studium Sport und Technik) und Ramon Thomas (Betriebswirtschaft, 3D-Druck-Werkstoffe). Aus dem Sechs-Personen-Start-up der Anfangsjahre ist ein Team von rund 20 Leuten geworden; seit Mai 2024 führt Meinecke die Firma allein, Ende 2024 zog URWAHN zusätzlich den Schweiß-Rahmenbau ins Magdeburger Stammhaus. Meinecke versteht das Unternehmen dabei laut ingenieur.de eher als Technologievorreiter denn als klassische Fahrradfabrik: Entwickelt wird am Rahmen als Produkt, die Fertigungstechnik gilt als eigentliches Kapital der Firma. 2025 meldete URWAHN nach eigener Angabe das beste Geschäftsjahr seit Gründung.
Der SOFTRIDE-Rahmen: 3D-Druck als Markenzeichen
Das Herzstück jedes URWAHN ist der SOFTRIDE-Rahmen, eine Hybrid-Konstruktion: Dünnwandige Rohre aus Chrom-Molybdän-Stahl treffen auf 3D-gedruckte Verbindungsknoten, die im Laser-Pulverbett-Verfahren (selektives Laserschmelzen) entstehen. Dabei schmilzt ein Hochleistungslaser feines Stahlpulver Schicht für Schicht zum fertigen Bauteil auf. Nach dem Verschweißen und Verschleifen wirkt der Rahmen wie aus einem Guss, ganz ohne sichtbare Schweißnähte, mit innenliegenden Zügen und integrierter Technik.
Der 3D-Druck erlaubt Formen, die sich klassisch kaum fertigen lassen, und genau daraus entsteht das bekannteste Merkmal: Auf ein durchgehendes Sattelrohr verzichtet das Design komplett. Das Sitzrohr geht nach etwa 25 cm in einen geschwungenen Bogen zum Hinterrad über, der das Rad elastisch aufhängt. Stöße von Kopfsteinpflaster oder Schotter federt der gezielte Flex des Stahls ab, ohne Federgabel oder Dämpfer, während Tretlager und Steuerrohr steif bleiben. Für die Serienfertigung der aktuellen Rahmengeneration SOFTRIDE 2.0 (seit Anfang 2025) arbeitet URWAHN mit dem Maschinenbauer TRUMPF und dem Druckdienstleister H+E zusammen; die Optimierung brachte laut den Partnern bis zu 30 % Verbesserung bei Gewicht und Steifigkeit. Jedes Modell wird zudem extern beim Prüfinstitut EFBE nach der Fahrrad-Norm DIN EN ISO 4210 geprüft. Wie das Druckverfahren im Detail funktioniert und wer sonst noch Räder druckt, liest Du in unserem Ratgeber E-Bike aus dem 3D-Drucker.
Die Modellpalette: Stadtfuchs, Waldwiesel und Straßenfalke
Die aktuelle Palette umfasst drei Modelllinien, jeweils als E-Bike und als Bio-Bike ohne Motor. Alle E-Varianten fahren mit dem MAHLE-X20-Heckmotor und einem fest integrierten 236-Wh-Akku (bis 100 km Reichweite laut Hersteller, optional plus 171-Wh-Range-Extender); mehr zum Antrieb steht in unserer MAHLE-X20-Analyse.
| Modell | Typ | Gewicht (E-Bike) | Preis |
|---|---|---|---|
| Stadtfuchs | Urban / Pendler | ab 13,0 kg (Singlespeed), 15,5–15,9 kg mit Pinion | ab ca. 3.500 € |
| Waldwiesel | Gravel | 15,5–15,9 kg | ab ca. 3.500 € |
| Straßenfalke | Road | ca. 13,4 kg | ca. 7.999 € |
Der Stadtfuchs ist der Pendler der Familie: Gates-Riemenantrieb, voll integriertes StVZO-Licht, optional GPS-Tracking und auf Wunsch das Pinion-Smart.Shift-Getriebe mit 12 Gängen. Mit 13,0 kg in der Singlespeed-Version zählt er zu den leichtesten Urban-E-Bikes überhaupt. Das Waldwiesel überträgt das Konzept auf Schotter und Feldweg, mit 45-mm-Gravelreifen, TRP-Funk-Scheibenbremsen und wahlweise Pinion-Getriebe oder SRAM-Rival-AXS-Schaltung. Beide haben wir ausführlich analysiert: zur Stadtfuchs-Rezension, zur Waldwiesel-Rezension. Der Straßenfalke komplettiert die Palette seit 2025 als laut Hersteller weltweit erstes Road-E-Bike mit 3D-gedrucktem Stahlrahmen; die Bio-Variante kostet rund 1.000 € weniger. Dazu kommen die motorlosen Bio-Bikes ab etwa 9,8 kg (Stadtfuchs).
Editionen und Sondermodelle: von MCM bis Spiekermann
URWAHN nutzt die Flexibilität der eigenen Fertigung regelmäßig für limitierte Kollaborationen, die inzwischen kleine Sammlerstücke sind:
- Schmolke Edition (2020): Rennrad mit verkupfertem 3D-Stahlrahmen und Schmolke-Carbonteilen, 9,0 kg, 8.499 €.
- MCM × URWAHN (2021): als weltweit erstes Luxus-E-Bike aus dem 3D-Drucker beworben, echt verkupferter Rahmen mit MCM-Monogramm, limitiert auf 50 Stück, 9.499 €.
- Platzhirsch Magazin Edition (2022): gestaltet mit Typograf Erik Spiekermann, Kieselgrau mit verkehrsorangen Akzenten und beschrifteten Rohren, ab 5.249 €.
- Weitere Kooperationen: eine Sonderedition mit dem Premium-Versandhaus Torquato (2023) und ein Stadtfuchs-Sonderdesign mit dem österreichischen Studio Vagabund Moto.
Der Name Platzhirsch stand dabei jahrelang für das Urban-E-Bike der Marke (Red Dot Award 2021, Deutscher Nachhaltigkeitspreis Design 2022). Im aktuellen Lineup heißt die Urban-Linie einheitlich Stadtfuchs, der Platzhirsch taucht als eigenes Modell inzwischen nicht mehr auf.
SOFTRIDE Ti64: der Titanrahmen aus dem Drucker
Im Januar 2026 stellte URWAHN den SOFTRIDE Ti64 vor, den ersten Titanrahmen der Marke. Er besteht aus der Luft- und Raumfahrtlegierung Ti-6Al-4V, wiegt laut Hersteller unter 1,45 kg und positioniert sich ausdrücklich als Alternative zu Carbon: ähnlich leicht, dabei robuster und recycelbar. Das Titanpulver kommt vom Magdeburger Lieferanten MVP, gedruckt wird auf TRUMPF-Anlagen, entwickelt wurde komplett im eigenen Studio. Die Geometrie übernimmt der Ti64 vom Waldwiesel samt fehlendem Sitzrohr, kompatibel mit Gravel- wie Urban-Aufbauten, Pinion-Getriebe und MAHLE-Antrieb. Die erste Charge ist auf 50 Stück limitiert und diente als Markttest mit Vorbestellphase, der Serienstart ist für Mitte 2026 angekündigt; einen Preis hat URWAHN bislang nicht kommuniziert.
Nachhaltigkeit: regionale Fertigung als Konzept
Unter dem Schlagwort FAIRFRAME organisiert URWAHN seine Fertigung als regionale Kreislaufwirtschaft: 70 bis 75 % der Wertschöpfung entstehen laut Firmenangaben in Deutschland, ein Großteil der über 20 Zulieferer sitzt im Umkreis von rund 100 km um Magdeburg. Gefertigt wird auf Bestellung statt auf Lager, Stahl ist als Werkstoff vollständig recycelbar, und für gebrauchte Räder bietet URWAHN einen Refurbishment- und Recycling-Service an. Die modulare Bauweise soll Reparaturen und Upgrades über viele Jahre möglich machen. Dass dieses Konzept mehr als Marketing ist, honorierte 2022 der Deutsche Nachhaltigkeitspreis Design; die Produktionszeit gibt der Hersteller mit unter 21 Tagen an.
Erfahrungen: Was Fachtests loben und kritisieren
Der Tenor der Fachmedien ist über die Jahre bemerkenswert konstant. Gelobt werden durchgängig das eigenständige Design, die sehr hohe Verarbeitungsqualität (thecycleverse zählte den Platzhirsch zu den hochwertigsten E-Bikes am Markt), das geringe Gewicht und der Komfort des SOFTRIDE-Hinterbaus: BIKE bescheinigte dem Waldwiesel überraschend hohen Fahrkomfort und agiles Handling. Kritik richtet sich wiederkehrend auf zwei Punkte. Erstens den Preis, der klar in der Premium-Klasse liegt und mit Optionen wie Pinion-Getriebe oder Range Extender weiter wächst. Zweitens die Motorpower am Berg: Der leichte MAHLE-Nabenmotor unterstützt natürlich und leise, an steilen Rampen bleibt er aber spürbar zurückhaltender als ein kräftiger Mittelmotor. Tester ordnen die Räder darum vor allem für Stadt, Flachland und welliges Terrain ein. Praktische Detailkritik wie die versteckte Sattelklemme des Waldwiesels bleibt die Ausnahme.
Kaufen, Probefahren und Leasing
URWAHN verkauft zu rund 75 % im Direktvertrieb über den eigenen Online-Konfigurator: Dort wählst Du Modell, Rahmengröße, Antrieb, Schaltung und Extras, dazu 8 Signature-Farben oder rund 40 RAL-Töne, der Preis läuft live mit. Anfassen und Probefahren kannst Du die Räder im Flagship-Store NEWURBAN in Hamburg, im Concept Store im Magdeburger Hundertwasserhaus sowie bei URWAHN-Expert-Partnern und einzelnen Händlern. Fürs Dienstrad-Leasing arbeitet URWAHN mit allen großen Anbietern zusammen (JobRad, Bikeleasing, Lease a Bike und weitere), den Stadtfuchs gibt es so ab 89 € im Monat; wie das steuerlich funktioniert, erklärt unser Ratgeber zum E-Bike über den Arbeitgeber. Gegen Diebstahl und Unfall bietet URWAHN eine Versicherungspartnerschaft mit ENRA an.


Fazit: Für wen lohnt sich ein URWAHN?
URWAHN baut Räder für Menschen, denen Design, Fertigungsqualität und Herkunft mindestens so wichtig sind wie das Datenblatt. Wer ein leichtes, wartungsarmes E-Bike für Stadt, Pendelstrecke oder Gravel-Feierabendrunde sucht und das Premium-Budget mitbringt, bekommt ein technisch eigenständiges Rad aus deutscher Fertigung mit einem Rahmen, den es so nur in Magdeburg gibt. Preisbewusste Käufer und Vielfahrer in bergigem Gelände finden bei klassischen Mittelmotor-Rädern mehr Leistung fürs Geld. Den besten Einstieg in die Marke bieten unsere ausführlichen Rezensionen zum URWAHN Stadtfuchs und zum URWAHN Waldwiesel.
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