Das Wichtigste in Kürze
- Kurze Antwort: Für Pendelstrecken bis 30 km am Tag reichen 400 bis 500 Wh, für Tagestouren um 60 km 625 Wh, für lange Touren und E-MTB-Tage mit vielen Höhenmetern 750 Wh oder mehr.
- Faustformel: Akkugröße = längste regelmäßige Strecke × Verbrauch pro km × 1,25. Im Flachen verbraucht ein Pedelec im Eco-Modus rund 8 Wh/km, im Sport-Modus 12 und im Turbo 16 Wh/km.
- Reichweite: 500 Wh reichen im Flachen rechnerisch für 31 km im Turbo bis 63 km im Eco-Modus, 625 Wh für 39 bis 78 km, 750 Wh für 47 bis 94 km.
- Wh selbst berechnen: Wattstunden = Volt × Amperestunden. 36 V × 13,9 Ah ergeben 500 Wh, 48 V × 13 Ah ergeben 624 Wh.
- Gewicht: Mehr Kapazität wiegt mehr. Der Bosch PowerTube 500 wiegt ca. 2,9 kg, der 625er ca. 3,5 kg, der 750er ca. 4,4 kg.
Wie viel Wh braucht ein E-Bike? Die Antwort nach Einsatz
Die Akkugröße in Wattstunden (Wh) gibt an, wie viel Energie der Akku speichert. Wie viel davon Du brauchst, hängt fast nur an zwei Fragen: Wie weit fährst Du an einem Stück, und wie stark lässt Du Dich dabei unterstützen? Die Tabelle übersetzt typische Einsatzzwecke in eine passende Kapazität. Gerechnet ist mit den Verbrauchswerten des Reichweitenrechners und einem Puffer von 25 Prozent für Kälte, Gegenwind und die Alterung des Akkus.
| Einsatz | Strecke am Stück | Rechnung | Passende Akkugröße |
|---|---|---|---|
| Stadt und Einkauf | bis 15 km | 15 km × 9 Wh/km × 1,25 ≈ 170 Wh | 300 bis 400 Wh, Laden alle zwei bis drei Tage |
| Pendeln, flach | 30 km (hin und zurück) | 30 × 9 × 1,25 ≈ 340 Wh | 400 Wh |
| Pendeln, hügelig | 30 km | 30 × 9 × 1,35 × 1,25 ≈ 460 Wh | 500 Wh |
| Tagestour | 60 km | 60 × 8 bis 9 × 1,25 ≈ 600 bis 675 Wh | 625 Wh |
| Lange Tour | 90 km | 90 × 8 × 1,25 ≈ 900 Wh | 750 bis 800 Wh plus sparsame Fahrweise oder Range Extender |
| E-MTB im Gelände | 40 km | 40 × 18,6 × 1,25 ≈ 930 Wh | 750 bis 800 Wh oder zwei Akkus |
Die Tabelle zeigt ein Muster: Für reine Stadtwege ist fast jeder Akku groß genug, ein kleiner Akku spart dort Gewicht und Geld. Ab Tagesstrecken von 50 bis 60 km und spätestens im Bergland wird die Kapazität zum wichtigsten Kaufkriterium.
So rechnest Du Deine Akkugröße selbst aus
Die Rechnung passt auf einen Bierdeckel und braucht drei Werte:
- Längste regelmäßige Strecke: Nimm die Strecke, die Du ohne Nachladen schaffen willst, also beim Pendeln Hin- und Rückweg, bei Touren die längste typische Runde.
- Verbrauch pro Kilometer: Im Flachen bei rund 100 kg Gesamtgewicht verbraucht ein Pedelec im Eco-Modus etwa 8 Wh/km, im Tour-Modus 9, im Sport-Modus 12 und im Turbo 16 Wh/km. Für Hügel multiplizierst Du mit 1,35, für Bergland mit 1,7.
- Puffer: Multipliziere mit 1,25. Der Aufschlag deckt Kälte, Gegenwind und den Kapazitätsverlust über die Jahre ab.
Beispiel: Du pendelst 2 × 18 km durch hügeliges Gelände im Tour-Modus. 36 km × 9 Wh/km × 1,35 × 1,25 ergeben rund 550 Wh. Ein 500-Wh-Akku reicht an milden Tagen, im Winter wird es knapp. Mit 625 Wh bist Du das ganze Jahr auf der sicheren Seite. Wer Gewicht, Gegenwind und Reifen genauer berücksichtigen will, rechnet mit dem Reichweitenrechner.
Den Puffer solltest Du nicht weglassen. Shimano gibt für seine Akkus nach 1.000 Vollladezyklen noch 60 Prozent der Ausgangskapazität an, und bei 0 bis 5 °C stehen laut den Annahmen des Reichweitenrechners nur rund 85 Prozent der Kapazität zur Verfügung. Wie schnell ein Akku altert, erklärt der Ratgeber zur Lebensdauer von E-Bike-Akkus.
Wie weit kommst Du mit 300 bis 800 Wh?
Die Grafik zeigt die rechnerische Reichweite gängiger Akkugrößen im Flachen bei 100 kg Gesamtgewicht und mildem Wetter. Der linke Rand jedes Balkens steht für den Turbo-Modus, der rechte für Eco.
| Akku | Eco (8 Wh/km) | Sport (12 Wh/km) | Turbo (16 Wh/km) | Eco hügelig | Eco bei 0–5 °C |
|---|---|---|---|---|---|
| 250 Wh | 31 km | 21 km | 16 km | 23 km | 27 km |
| 300 Wh | 38 km | 25 km | 19 km | 28 km | 32 km |
| 360 Wh | 45 km | 30 km | 23 km | 33 km | 38 km |
| 400 Wh | 50 km | 33 km | 25 km | 37 km | 43 km |
| 500 Wh | 63 km | 42 km | 31 km | 46 km | 53 km |
| 545 Wh | 68 km | 45 km | 34 km | 50 km | 58 km |
| 600 Wh | 75 km | 50 km | 38 km | 56 km | 64 km |
| 625 Wh | 78 km | 52 km | 39 km | 58 km | 66 km |
| 630 Wh | 79 km | 53 km | 39 km | 58 km | 67 km |
| 750 Wh | 94 km | 63 km | 47 km | 69 km | 80 km |
| 800 Wh | 100 km | 67 km | 50 km | 74 km | 85 km |
Die Werte sind bewusst alltagsnah gerechnet. Hersteller nennen oft deutlich höhere Bestwerte, die unter Idealbedingungen mit leichtem Fahrer, warmem Wetter und flacher Strecke entstehen.
Wie weit kommst Du mit 400 Wh?
Im Flachen 25 km im Turbo bis 50 km im Eco-Modus, im hügeligen Gelände im Eco-Modus rund 37 km. Das reicht für Stadtfahrten und kurze Pendelwege, für Touren musst Du sparsam unterwegs sein. 400 Wh ist eine typische Größe für Gepäckträgerakkus und City-E-Bikes.
Wie weit kommst Du mit 500 Wh?
Rechnerisch 31 bis 63 km im Flachen, hügelig im Eco-Modus rund 46 km, bei Kälte um 53 km. 500 Wh decken damit die meisten Pendelstrecken und Feierabendrunden ab. Bei Bosch gibt es diese Größe als PowerPack 500 für Rahmen und Gepäckträger und als PowerTube 500 im Unterrohr.
Wie weit kommst Du mit 625 und 630 Wh?
39 bis 78 km im Flachen, im hügeligen Eco-Modus rund 58 km. Das ist die Größe für Tagestouren um 60 km und für Pendler mit langen Wegen, die nicht jeden Tag laden wollen. Bei Bosch heißt sie PowerTube 625, bei Shimano gibt es einen 630-Wh-Akku.
Wie weit kommst Du mit 750 und 800 Wh?
47 bis 94 km mit 750 Wh, 50 bis 100 km mit 800 Wh im Flachen. Im Bergland mit Faktor 1,7 bleiben im Eco-Modus rund 55 bzw. 59 km. Diese Größen zielen auf E-Mountainbikes und lange Touren im Mittelgebirge, wo der Verbrauch pro Kilometer mit Steigungen und breiten Reifen schnell auf das Doppelte steigt. Was der Bosch PowerTube 750 dafür an Gewicht und Länge mitbringt, steht im nächsten Abschnitt.
Was die Reichweite stärker verändert als die Akkugröße
Zwischen 500 und 750 Wh liegen 50 Prozent mehr Kapazität. Die Unterstützungsstufe allein verändert den Verbrauch um den Faktor zwei. Wer seinen Akku kennt, holt deshalb über die Fahrweise oft mehr heraus als über eine größere Batterie:
| Einfluss | Wirkung auf den Verbrauch |
|---|---|
| Unterstützungsstufe | Eco 8, Tour 9, Sport 12, Turbo 16 Wh/km: Turbo verbraucht doppelt so viel wie Eco |
| Gelände | leicht hügelig × 1,15, hügelig × 1,35, bergig × 1,7 |
| Gewicht | pro 10 kg über 100 kg Gesamtgewicht rund 6 Prozent mehr |
| Gegenwind | mäßig × 1,15, stark × 1,4 |
| Reifen | breite MTB-Reifen × 1,15, schmale Straßenreifen × 0,95 |
| Temperatur | kühl 95 Prozent, 0 bis 5 °C 85 Prozent, Frost 75 Prozent nutzbare Kapazität |
Am Berg zählt außerdem die Wahl des richtigen Gangs, weil der Motor bei passender Trittfrequenz effizienter arbeitet. Mehr dazu im Ratgeber E-Bike bergauf. Wie Du den Akku im Winter warm hältst, steht unter E-Bike im Winter.
Wh, Volt und Ah: so liest Du Akkuangaben
Viele E-Bikes, gerade bei Amazon und in Discountern, nennen die Akkugröße nur in Volt und Amperestunden. Die Wattstunden rechnest Du selbst aus: Wh = V × Ah.
| Angabe | Rechnung | Kapazität |
|---|---|---|
| 36 V, 10,4 Ah | 36 × 10,4 | 374 Wh |
| 36 V, 13,9 Ah | 36 × 13,9 | 500 Wh |
| 36 V, 17,5 Ah | 36 × 17,5 | 630 Wh |
| 48 V, 13 Ah | 48 × 13 | 624 Wh |
| 48 V, 13,4 Ah | 48 × 13,4 | 643 Wh |
| 48 V, 15 Ah | 48 × 15 | 720 Wh |
Die Spannung allein sagt über die Reichweite wenig. Ein 48-V-Akku mit 10 Ah speichert 480 Wh und damit weniger Energie als ein 36-V-Akku mit 14 Ah, der auf 504 Wh kommt. Entscheidend für die Reichweite ist immer das Produkt aus beiden Werten. Hersteller rechnen mit der Nennspannung, Fazua etwa gibt seine Akkus mit 43,2 V an. Wenn eine Angabe krumm wirkt, steckt meist so eine Nennspannung dahinter.
Mehr Wh, mehr Gewicht: was ein großer Akku kostet
Jede zusätzliche Wattstunde trägt Zellen mit sich. Bei den Bosch-Rahmenakkus wächst das Gewicht von 500 auf 750 Wh um rund 1,5 kg, und der Akku wird deutlich länger:
| Akku | Kapazität | Gewicht | Länge bzw. Maße |
|---|---|---|---|
| Bosch PowerPack 500 (Rahmen) | 500 Wh | ca. 2,6 kg | 325 × 92 × 82 mm |
| Bosch PowerTube 500 | 500 Wh | ca. 2,9 bis 3,0 kg | 345 bis 349 mm |
| Bosch PowerTube 625 | 625 Wh | ca. 3,5 bis 3,6 kg | 415 bis 416 mm |
| Bosch PowerTube 750 | 750 Wh | ca. 4,4 kg | ca. 484 mm |
| Fazua Energy 430 | 432 Wh | 2,3 kg | – |
| Bosch PowerMore 250 (Range Extender) | 250 Wh | 1,5 kg ohne Halter | – |
Die Länge entscheidet mit, ob ein Akku überhaupt in einen Rahmen passt: Ein PowerTube 750 braucht rund 14 cm mehr Platz im Unterrohr als ein PowerTube 500. Einen 750er kannst Du deshalb nicht in jedem Rad gegen einen kleineren Akku tauschen oder umgekehrt. Auch die Ladezeit wächst mit der Kapazität. Für den PowerPack 500 nennt Bosch mit dem 4-A-Ladegerät rund 4,5 Stunden für eine volle Ladung, ein größerer Akku braucht am selben Ladegerät entsprechend länger.
Leichte E-Bikes: wann 250 bis 430 Wh genügen
Leichte Antriebe setzen bewusst auf kleine Akkus. Der MAHLE X20 kommt mit 236 oder 350 Wh, der TQ HPR50 mit 360 Wh, der Fazua Ride 60 mit 432 oder 480 Wh. Die Systeme sind auf geringes Gewicht ausgelegt: Der MAHLE X20 wiegt mit Motor, 236-Wh-Akku, Controller und Bedieneinheit rund 3,2 kg. Für längere Touren gibt es Range Extender, die Du in den Flaschenhalter steckst: 160 Wh bei Specialized, 171 Wh beim MAHLE X20, 250 Wh beim Bosch PowerMore 250. Bei 6 bis 12 Wh pro Kilometer bringt ein 250-Wh-Extender rund 21 bis 42 km zusätzlich.
Das Konzept passt zu Fahrern, die meist kürzere Strecken fahren und das geringe Gewicht schätzen, etwa beim Tragen in den Keller oder auf Gravel- und Rennrad-Touren. Wer dagegen schwer beladen pendelt oder viel im Turbo fährt, ist mit einem klassischen 625- oder 750-Wh-Akku besser bedient.
Wann sich ein großer Akku lohnt
- Lange Strecken ohne Lademöglichkeit: Touren, Pendeln ohne Steckdose am Arbeitsplatz, Urlaub.
- Bergland und Gelände: Der Verbrauch steigt dort schnell um 35 bis 70 Prozent.
- Hohe Zuladung: Kindersitz, Anhänger oder Lastenrad treiben das Gesamtgewicht und damit den Verbrauch nach oben.
- Akkuschonendes Laden: Wer den Akku im Alltag nur zwischen 20 und 80 Prozent nutzen will, braucht mehr Kapazität, um dieselbe Strecke zu schaffen.
- Weniger Vollzyklen: Für dieselbe Jahresstrecke sammelt ein großer Akku weniger volle Ladezyklen. Bei den meisten Fahrern begrenzt aber ohnehin das Alter die Lebensdauer, mehr dazu im Ratgeber zur Akku-Lebensdauer.
Gegen einen großen Akku sprechen Gewicht, Preis und Ladezeit. Für reine Stadtwege und kurze Pendelstrecken bezahlst Du Kapazität, die Du selten nutzt, und trägst sie jeden Tag mit.
Fazit: Strecke mal Verbrauch, plus ein Viertel
Wie viel Wh Dein E-Bike braucht, rechnest Du in einer Minute aus: längste regelmäßige Strecke mal Verbrauch pro Kilometer, plus ein Viertel Puffer. Für die meisten Pendler landen die Werte bei 400 bis 500 Wh, für Tourenfahrer bei 625 Wh und für E-MTB und Bergland bei 750 Wh und mehr. Größer ist nur dann besser, wenn Du die Kapazität auch abrufst, sonst trägst Du jedes Mal ein bis zwei Kilo mehr mit. Für Deine persönliche Rechnung mit Gewicht, Gelände und Wetter nutze den Reichweitenrechner.